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III. 3. Die Konvenienz von Glück und Freundschaft Unterstützt wird die Deutung der Erlösungslehre mit Hilfe der Freundschaftskategorie ebenfalls dadurch, dass auf diese Weise die Aussagen der Summa, dass der Mensch in der Gottesliebe und den mit ihr gegebenen Tugenden die höchste Form der auf Erden möglichen Glückseligkeit erlangt, in ihrer tiefen Bedeutung verständlich werden.29 Wie nach Aristoteles ein Freund durch den anderen sein Glück finden bzw. in einer geistig-geistlichen Gemeinschaft mit dem Freund sowohl die „praktische“ als auch die „theoretische Glückseligkeit erlangen kann30, so wird in der in Jesus Christus gründenden Gottesfreundschaft die Glückseligkeit wirklich - wenn auch inchoativ - erfahrbar; und dies zuallererst in den (Freundschafts-) Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, die gewissermaßen der Reflex der göttlichen Liebe im Menschen sind. Aber wie schon eine zwischenmenschliche Freundschaft einen Menschen ganz in Beschlag nehmen kann, dessen ganzes Verhalten ändern und es zum Ausdruck dieser Freundschaftsdynamik machen kann, so verändert (auch und gerade) die Gottesfreundschaft das Leben des Menschen insgesamt, so dass er aus dieser Liebe lebt, aus Liebe heraus handelt und alle Handlungen in die Freundschaftsdynamik einbegreift. Die Liebe durchdringt und vervollkommnet, wenn sie im Menschen ankommt, ebenso auch alle diejenigen Handlungsprinzipien, die von der Liebe ausgerichtet werden.31 Mit anderen Worten - und den Worten des Thomas - gesagt: Kraft der Gottesliebe wird der Mensch insgesamt „tugendhaft“, erlangt er diejenigen moralischen Tugenden und damit die in diesen Tugenden erfahrbare Glückseligkeit, die ihm, auf sich gestellt, nur mit größten Mühen erreichbar gewesen wären. Die Erlösung zu einer lebendigen Freundschaftsliebe ist weder ein isoliertes, bloß geistiges Geschehen noch eine ausschließlich für das „Jenseits“ verheißene Vertröstung, sondern macht den Menschen zu einem gewissermaßen rundum „guten“, erfüllten und glücklichen Menschen. Was Aristoteles für den zwischenmenschlichen Bereich sagen kann, dass nämlich ein gegenseitiges Wohltun unter Freunden „besser“ (melius), spontaner (promptius) und lustvoller (delectabilius) sich vollzieht als ceteris paribus unter Fremden32, gilt ebenso auch für das Leben und Handeln eines Menschen der Gottes Freund ist. Denn in der Liebe, in der Freundschaft des Menschen mit Gott, wird dem Menschen das höchstmögliche und seine „natürlichen“ Kräfte gewissermaßen unendlich übersteigende Handeln „leicht“ (facile), spontan (prompte) und freudebringend (delectabile).33 Nochmals zeigt sich, dass die innerhalb der Summa Theologiae in Gnaden-, Tugendlehre und Christologie entfaltete Soteriologie im letzten als ein Traktat der Verwirklichung der Freundschaft zwischen Gott und Mensch verstanden werden muß, in der für den Menschen - analog zu den aristotelischen Aussagen hinsichtlich der zwischenmenschlichen Freundschaft34 - höchstes Glück, wahre Selbstliebe und Tugendhaftigkeit koinzidieren. 29 Vgl.: Dörnemann, Holger, Freundschaft als Paradigma der Erlösung, S. 181-185 (s. Anm. 25). |